Viele Selbstständige und kleine Unternehmen nutzen KI bereits – aber ohne strategischen Rahmen, ohne Orientierung und ohne das Gefühl, „wirklich zu wissen, was sie tun.“
Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich genau das untersucht:
Welche Bedürfnisse, Herausforderungen und Wünsche haben Selbstständige und Inhaber:innen kleiner Unternehmen im Zusammenhang mit KI und ihrer KI-Strategie?
Eine Umfrage unter genau diesen Mensch hat mir wertvolle Einblicke gegeben – und ich bin allen Teilnehmenden sehr dankbar für ihre Offenheit!
In diesem Artikel fasse ich die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und zeige, was in kleinen Unternehmen wirklich gebraucht wird, um KI verantwortungsvoll, sicher und nachhaltig einzusetzen.
Zentrale Erkenntnisse - Wo kleine Unternehmen heute stehen
Die Auswertung der Umfrage hat eines ganz klar gezeigt:
In den meisten kleinen Unternehmen wird KI bereits genutzt – aber ohne strategische Überlegungen.
Viele setzen KI spontan ein, probieren Tools aus und nutzen, was gerade hilfreich erscheint und zur Hand ist. Was jedoch fehlt sind:
- klare Ziele,
- definierte Prozesse,
- Verantwortlichkeiten und
- Leitlinien für den sicheren Einsatz.
Das bedeutet:
KI wird genutzt, aber die Strategie dahinter fehlt.
1. KI = GenAI: das dominante Begriffsverständnis
Wenn die Befragten von KI gesprochen haben, haben sie fast immer generative KI gemeint – also Tools wie Claude, Gemini oder ChatGPT.
Diese Tools prägen heute den aktiven Einsatz im Alltag, es gibt jedoch viel mehr KI-Anwendungen, die häufig im Hintergrund agieren und kaum bekannt sind.
Konsequenz: KI wird oft mit Content Creation gleichgesetzt – und dadurch massiv unterschätzt.
1. Wissens- und Förderbedarf sind enorm
Die meisten Befragten wünschen sich:
- niederschwellige Zugänge zu verständlichem KI-Wissen
- praxisnahe Weiterbildungsangebote
- finanzielle Förderung, um KI sicher auszuprobieren.
Viele Menschen sind unsicher, wo sie zuverlässige Informationen bekommen können und wie sie das theoretische Wissen sinnvoll in ihren Alltag integrieren können.
3. Die größten Hemmnisse sind nicht technisch
Im ersten Moment überraschend für mich, aber doch sehr deutlich:
Technik ist selten das Problem.
Stattdessen bremsen:
- rechtliche Unsicherheiten,
- ethische Fragestellungen,
- organisatorische Unklarheiten,
- Angst vor Fehlern
und - fehlende Orientierung.
Das zeigt: KI ist weniger ein Technik-Thema sondern mehr ein Vertrauens- und Struktur-Thema.
4. Rechtliche Rahmenbedingungen sind unklar
Vor allem der Bereich Datenschutz und die rechtliche Bewertung von KI werden als größte Hürden empfunden.
Fragestellungen in diesem Bereich sind:
- Wann darf ich KI nutzen?
- Welche Daten darf ich eingeben?
- Wie gehe ich mit sensiblen Informationen um?
- Was sagt der EU AI Act?
Der EU AI Act (oder auf Deutsch die „EU KI-Verordnung“) ist in dieser Zielgruppe kaum bekannt – viele hören in der Umfrage zum ersten Mal davon.
5. Fehlendes Bewusstsein für Chancen und Risiken
KI wird zwar genutzt, aber meistens ohne:
- Risikoabschätzung,
- ethische Bewertung,
- bewusste Zieldefinition
oder - Überlegungen zur Nachhaltigkeit.
Es fehlt also nicht am Willen, sondern an der Orientierung.
6. Handlungsbedarf an mehreren Stellen
Die Befragung zeigt sehr klar:
Wissen, Bewusstsein, Rechtssicherheit und Orientierung sind die Basis für jede tragfähige KI-Strategie.
Selbständige und kleine Unternehmen brauchen also:
- klare Strukturen,
- verständliche Regeln,
- praxisnahe Unterstützung,
- kontinuierliche Weiterentwicklung.
Nur so können sie KI langfristig als Erfolgsfaktor nutzen.
Was praktisch gebraucht wird - die Anforderungen an ein KI-Vorgehensmodell
Aus den Ergebnissen können klare Anforderungen für ein praxisorientiertes Vorgehen abgeleitet werden:
1. Bewusstseinsbildung und Wissensaufbau
Ziel: KI verstehen – Chancen erkennen – Risiken einordnen.
Niederschwellige Lernangebote und -Möglichkeiten sind ein extrem wichtiger Punkt. Von leicht verdaulichen KI-Snacks über kurze Online-Module bis hin zu perfekt auf das Unternehmen zugeschnittene Workshops.
2. Ziel- und Strategieentwicklung
Ziel: KI soll im Unternehmen gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Das braucht Klarheit über:
- Warum wird KI eingesetzt?
- Welche Unternehmensziele sollen unterstützt werden?
- Welche Rollen im Unternehmen sind für KI verantwortlich?
3. Identifikation sinnvoller Einsatzbereiche
Ziel: KI dort einsetzen, wo sie am meisten Nutzen bringt.
Das bedeutet:
- Prozesse analysieren,
- Potenziale identifizieren,
- Klein und überschaubar starten.
4. Risiko-, Barrieren und Kompetenzmanagement
Ziel: Risiken kennen und adressieren.
Selbstständige und Personen in kleinen Unternehmen brauchen Tools und Checklisten, die einfach anwendbar sind.
5. Rechtliche Rahmenbedingungen verständlich machen
Ziel: Rechtssicher handeln können.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen verständlich, praxisnah und anwendbar vermittelt werden.
6. Ethische und gesellschaftliche Verantwortung integrieren
Ziel: KI im Einklang mit den Werten des Unternehmens nutzen.
Die ethischen Aspekte von KI sowie die mit der Nutzung einhergehende gesellschaftliche Verantwortung müssen greifbar gemacht und so erklärt werden, dass umsetzbare Regeln daraus abgeleitet werden können.
7. Zentrale Erfolgsfaktoren für KI in kleinen Unternehmen
- Wissen
- Vertrauen
- Strukturen
- Bewusstsein
Diese vier Faktoren entscheiden darüber, ob KI in kleinen Unternehmen erfolgreich eingeführt und genutzt werden kann.
Fazit: Was kleine Unternehmen jetzt wirklich brauchen
Viele Selbständige und kleine Unternehmen haben bereits erste Schritte in Richtung KI gemacht. Was jedoch fehlt, ist eine tragfähige, verständliche und praxisorientierte Strategie.
Die wichtigsten Takeaways:
- KI-Kompetenz ist die Grundlage.
- Strukturen und Orientierung fehlen oft.
- Rechtliche Unsicherheit ist ein großes Hindernis.
- Ethische und nachhaltigkeitsbezogene Aspekte werden gewünscht, aber selten verstanden.
- Einfache, niederschwellige Unterstützung ist entscheidend.
Bevor Governance und komplexe Strukturen funktionieren können, braucht es Wissen, Vertrauen und Klarheit.
Möchten Sie eine KI-Strategie entwickeln, die zu Ihrem Unternehmen passt? Verständlich, machbar und verantwortungsvoll?
Wir unterstützen Sie gerne mit unserem KI-Bootcamp, unserem KI-Kompass für Unternehmen, maßgeschneiderten Workshops, praxisnahen Leitfäden und leicht verdaulichen KI-Snacks.
Eva Jaritz
