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KI ist weiblich: Gestern – heute – morgen

Frauen in der Künstlichen Intelligenz
Die Geschichte der Künstlichen Intelligenz ist auch eine Geschichte von Frauen.

Am 08. März begehen wir den Internationalen Frauentag. Wir sprechen über Gleichberechtigung, Sichtbarkeit und Chancengleichheit. 
Doch an diesem Tag sollten wir eine Frage stellen, die viel zu selten gestellt wird:

Wer hat eigentlich die Grundlagen der Künstlichen Intelligenz gelegt?

Wenn wir heute über KI sprechen, denken wir an neuronale Netze, große Sprachmodelle und selbstfahrende Autos. Es fallen die Namen großer Tech-Unternehmer, Nobelpreisträger und Investoren aus dem Silicon Valley. Das dominierende Bild ist oft männlich geprägt.

Doch was uns häufig fehlt, ist der Blick auf die weibliche Seite dieser Entwicklung.
Die Geschichte der KI ist eine Geschichte von Visionärinnen, Mathematikerinnen, Erfinderinnen und Forscherinnen, die Strukturen geschaffen haben, auf denen die moderne KI bis heute aufbaut. Es ist die Geschichte von Frauen, die oft im Schatten standen.

Diese Geschichte zu erzählen ist ein Akt der Fairness – und eine Einladung.
Eine Einladung, zurückzublicken auf jene Frauen, die den Weg für moderne KI geebnet haben.

1830 - 1950: Visionärinnen und Pionierinnen der Infrastruktur

Ada Lovelace – frühe Visionärin der Künstlichen Intelligenz und erste Programmiererin der Geschichte
Ada Lovelace formulierte bereits 1843 die Idee programmierbarer Maschinen – lange bevor Computer Realität wurden.

Ada Lovelace – Die Frau, die weiter dachte

Wir schreiben das Jahr 1843. Computer existieren noch nicht. Es gibt keine Bildschirme, keine Siliziumchips, keine Rechenzentren.

Und doch verfasst Ada Lovelace in ihrer „Notiz G“ einen Algorithmus für eine Maschine, die nur auf dem Papier existiert: die „Analytical Engine“ von Charles Babbage. Es ist das erste dokumentierte Computerprogramm der Geschichte.

Doch ihr eigentlicher Durchbruch ist gedanklicher Natur. Sie erkannte:
Maschinen können nicht nur Zahlen berechnen. Sie könnten auch Symbole verarbeiten, Musik komponieren und komplexe Muster erzeugen – wenn man ihnen nur die richtigen Regeln gibt.

Das war mehr als reine Mathematik. Es war eine Vision maschineller Kreativität. Es war die Geburtsidee dessen, was wir heute als generative KI bezeichnen.

Ada Lovelace war nicht bloß die „Assistentin von Babbage“. Sie war die Visionärin.

Emmy Noether – Die stille Architektin abstrakter Strukturen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts revolutionierte Emmy Noether die Mathematik. Ihre Arbeiten zur abstrakten Algebra und zu Symmetrien gelten als Meilensteine der modernen Mathematik.

Viele ihrer Zeitgenossen erkannten ihre Genialität, aber weil sie eine Frau war, wurde ihr lange Zeit verboten, offiziell zu lehren. Ihre Forschung schuf zentrale mathematische Strukturen für Logik, theoretische Mathematik und algorithmische Modelle.

Maschinelles Lernen basiert auf mathematischen Formalismen.
Diese Sprache wurde maßgeblich von Frauen mitgestaltet.

Hedy Lamarr – Hollywood, Bluetooth und die Grundlage vernetzter KI

Hedy Lamarr war Filmstar – und Erfinderin.

1941 patentierte sie gemeinsam mit George Antheil ein Frequenzsprungverfahren, das Funksignale gegen Störungen absichern sollte. Jahrzehnte später wurde genau dieses Prinzip zur Grundlage moderner Funktechnologien wie WLAN, Bluetooth und GPS.

Ohne diese Technologien gäbe es keine vernetzten Geräte, keine Cloud-Systeme und keine mobile KI.

Hedy Lamarr entwickelte keine neuronalen Netze, aber „Lady Bluetooth“ schuf einen essenziellen Baustein der digitalen Infrastruktur, in der KI heute „lebt“.

Sie beweist: Technisches Denken hat viele Gesichter.

Die ENIAC-Programmiererinnen – Als Programmieren noch „unsichtbar“ war

1946 wurde ENIAC vorgestellt, der erste programmierbare elektronische Computer der Welt.
Auf historischen Fotos stehen meist Männer vor dem riesigen Gerät. Die Frauen, die ENIAC programmierten, gerieten in Vergessenheit.

Diese sechs Frauen blieben lange unsichtbar – Grund genug, sie heute ins Rampenlicht zu rücken:

  • Kathleen McNulty Mauchly 
  • Frances Bilas Spence 
  • Jean Jennings Bartik 
  • Betty Snyder Holberton 
  • Marlyn Meltzer Wescoff 
  • Ruth Lichterman Teitelbaum 

Das Programmieren war eine Mammutaufgabe: Es gibt noch keine Programmiersprache, lediglich Schaltpläne. Die Frauen stecken Kabel um, analysieren Schaltpläne und übersetzen komplexe mathematische Abläufe in maschinelle Logik. Sie mussten sich alleine zurechtfinden – ohne Hilfe der Männer, denn Programmieren war damals eine unattraktive „Frauenarbeit“.

Was diese Frauen taten, war echte Pionierarbeit: Sie übersetzten mathematische Probleme in strukturierte, reproduzierbare, maschinelle Prozesse. Genau das ist bis heute der Kern von KI-Entwicklung.

Diese sechs starken Frauen waren nicht „Bedienpersonal“. Sie waren die ersten Softwareentwicklerinnen des elektronischen Zeitalters.

ENIAC-Programmiererinnen beim Arbeiten am ersten elektronischen Universalcomputer der Welt (1946)
Jean Jennings Bartik und Frances Bilas Spence programmieren 1946 den ENIAC – einen der ersten elektronischen Computer der Welt.

Joan Clarke, Dorothy Vaughan und Katherine Johnson – Präzision als Systemdenken

In Bletchley Park analysierte Joan Clarke verschlüsselte Funksprüche mithilfe früher maschinengestützter Verfahren.

Bei der NASA leiteten Dorothy Vaughan und Katherine Johnson mathematische Berechnungen für Raumfahrtmissionen – in einer Zeit, als Menschen noch selbst als „Computer“ bezeichnet wurden.

Diese Frauen standen an der Schwelle vom manuellen Rechnen zur maschinellen Berechnung. Ihre Arbeit markierte den Übergang zu algorithmischen Denkweisen: strukturiert, formalisiert, reproduzierbar.
Genau jene Denkweise, auf der moderne KI beruht. 

1950 - 1990: Architektinnen der KI

Grace Hopper mit einem frühen Computer – Pionierin moderner Programmiersprachen
Grace Hopper entwickelte einen der ersten Compiler und legte damit die Grundlage moderner Programmiersprachen.

Als das Feld einen Namen bekam

1956 wurde der Begriff „Artificial Intelligence“ offiziell geprägt. Und auch in dieser Phase waren Frauen zentrale Impulsgeberinnen.

Grace Hopper – „Amazing Grace“, die Computern das Sprechen beibrachte

1952 entwickelte Grace Hopper den ersten Compiler der Computergeschichte.
Ihre Überzeugung: Menschen sollen nicht in Maschinensprache denken müssen – Computer sollten menschliche Sprache verstehen lernen.

Diese Idee veränderte alles.

Höhere Programmiersprachen machten Software skalierbar. 
Skalierbare Software ermöglichte komplexe Systeme.
Und komplexe Systeme machten KI erst möglich.

Um die Leistung von „Amazing Grace“ Hopper zu würdigen: Jede Zeile Code, die wir in irgendeiner Programmiersprache schreiben, basiert auf ihrer Pionierleistung.

Grace Hopper war pragmatisch, direkt, humorvoll. Und „Grandma COBOL“ war überzeugt: Technologie ist zu wichtig, um sie Eliten vorzubehalten.

Margaret Masterman – Sprache als Schlüssel zur Intelligenz

Bereits Mitte der 1950er-Jahre gründete Margaret Masterman eine der ersten KI-Forschungsgruppen Großbritanniens. Sie war eine der ersten Forscherinnen, die an maschineller Übersetzung und semantischen Netzen arbeitete.

Ihre Überzeugung: Wenn Maschinen Bedeutung verarbeiten können, kommen sie menschlichem Denken näher. In der Zeit der großen Sprachmodelle ist dieser Gedanke erstaunlich aktuell.

Karen Spärck Jones – Die Mathematik hinter Google & Co.

In den 1970ern entwickelte Karen Spärck Jones das Konzept der IDF (Inverse Document Frequency). Das ist ein mathematisches Verfahren zur Bewertung der Relevanz von Begriffen. Was so trocken klingt, ist heute ein zentrales Prinzip für Suchmaschinen, Information Retrieval und NLP-Modelle.

Eines ihrer berühmtesten Zitate lautet: „Computing is too important to be left to men.“

Das war keine bloße Provokation. (Naja, vielleicht etwas)
Das war eine Einladung.
Eine Einladung an uns Frauen, das Feld nicht den Männern zu überlassen.

Barbara Grosz – Kooperation und Verantwortung

Barbara Grosz prägte wie kaum eine andere Person Multi-Agent-Systeme und Dialogsysteme. Sie untersuchte, wie intelligente Systeme miteinander – und mit uns Menschen – kooperieren. Gleichzeitig setzt sie sich als eine der ersten für ethische Leitlinien in der KI ein.

Barbara Grosz hat verstanden, dass Intelligenz nicht nur aus Rechenleistung besteht – Intelligenz ist auch Beziehung.

Seit 1990 - Gestalterinnen der modernen und verantwortungsvollen KI

Fei-Fei Li – KI-Forscherin und Initiatorin des ImageNet-Datensatzes
Fei-Fei Li trieb mit dem ImageNet-Datensatz den Durchbruch des Deep Learning entscheidend voran.

Fei-Fei Li – KI-Pionierin und Daten-Revoluzzerin

Fei-Fei Li ist eine der erfolgreichsten Forscherinnen der modernen KI. 2009 veröffentlichte sie das frei zugängliche Bild-Archiv ImageNet und schuf damit einen der wichtigsten Datensätze der KI-Geschichte. Ohne ihre Arbeit ist der Durchbruch des Deep Learning ab 2012 kaum denkbar.

2017 gründete sich die Non-Profit-Organisation AI4ALL, die Jugendliche aus unterrepräsentierten Gruppen für KI begeistert. Viele der Teilnehmenden ihrer Sommercamps verfolgen inzwischen Karrieren in der Tech-Branche.

Seit 2024 entwickelt Fei-Fei Li als CEO von World Labs „Large World Models“ und legt damit die Grundlage für Robotik, Metaverse-Content und das nächste Level generativer KI.

Fei-Fei Li zeigt: Fortschritt entsteht nicht nur durch Algorithmen, sondern auch durch sorgfältig organisierte Daten.

Fei-Fei Li auf LinkedIn.

Cynthia Breazeal – Mensch und Maschine im sozialen Dialog

Cynthia Breazeal ist Pionierin der sozialen Robotik und der Mensch-Roboter-Interaktion. In ihrer Arbeit verbindet sie technische Innovation in der KI und UX-Design mit dem Verständnis der Psychologie zwischenmenschlichen Engagements, um personifizierte KI-Technologien zu entwickeln, die menschliches Wohlbefinden und persönliche Entwicklung fördern.

Ihre Forschung verschob den Fokus von reiner Berechnung hin zur Interaktion. Hin zu einer KI, die den Menschen nicht ersetzt, sondern ergänzt.

Cynthia Breazeal auf LinkedIn.

Timnit Gebru und Joy Buolamwini – Die kritischen Stimmen der KI

Mit wachsender Verbreitung von KI wurden auch ihre Verzerrungen und Halluzinationen sichtbar.

Timnit Gebru ist eine prägende Stimme für Fairness, Transparenz und Rechenschaft in der KI. Sie ist Gründerin des Distributed Artificial Intelligence Research Institute (DAIR) und Mitbegründerin von Black in AI.

Sie analysierte unter anderem systematische Verzerrungen (Bias) in Trainingsdaten und setzt sich für mehr Diversität in der IT-Forschung ein.

Timnit Gebru auf LinkedIn.

Joy Buolamwini ist eine „Poetin des Codes“. Sie nutzt die Kombination aus Kunst und Forschung, um soziale Auswirkungen von KI zu beleuchten. Zudem gründete sie die Algorithmic Justice League, um eine Welt zu schaffen, in der Technologie gerecht und verantwortungsvoll eingesetzt wird.

In ihrer Forschung zeigte Joy Buolamwini, dass Gesichtserkennungssysteme bei Frauen mit dunkler Hautfarbe deutlich höhere Fehlerraten aufweisen.

Joy Buolamwini auf LinkedIn – und auf Instagram.

Die Arbeit dieser beiden Frauen macht deutlich: KI ist nicht neutral. Sie trägt die Handschrift der Gesellschaft, die sie entwickelt. Und genau deshalb braucht KI Vielfalt.

Warum diese Geschichten Mut machen

All diese Frauen – und noch viele weitere, die in diesem Artikel leider keinen Platz gefunden haben – sind keine Randfiguren der Technikgeschichte. Sie bilden ihr Fundament. Sie geben ihr Struktur und Richtung. Sie waren und sind Visionärinnen, Mathematikerinnen, Entwicklerinnen, Infrastruktur-Pionierinnen, Ethikerinnen.

All diese Frauen haben KI mitgeformt.

Neben all den Botschaften zum Internationalen Frauentag kommt hier noch eine – eine positive:
Technik war immer schon auch weiblich. Sie wurde von vielen gestaltet – auch und besonders von Frauen, denen die Sichtbarkeit oft verwehrt wurde.

Für uns Frauen bedeutet das: Es gibt Vorbilder. Und es gibt sie seit fast 200 Jahren.

Für Männer bedeutet das: Innovation wird stärker, wenn sie vielfältig ist.

Und für uns alle bedeutet das: KI ist keine abgeschlossene Disziplin. Sie ist ein offenes Feld. Sie entwickelt sich täglich weiter – durch Forschung, durch Code, durch Daten, durch Entscheidungen.

Junge Softwareentwicklerin programmiert an einem Laptop vor Bildschirmen mit Code und neuronalen Netzwerkvisualisierungen
Die nächste Generation von Entwicklerinnen und KI-Forscherinnen gestaltet bereits die Zukunft der Technologie.

Vielleicht liest eine junge Frau diesen Text und erkennt sich selbst und ihre Träume in einer dieser starken Frauen wieder. Vielleicht liebt sie Mathematik. Vielleicht programmiert sie heimlich. Vielleicht interessiert sie sich für Muster, für Sprache, für Technik. Vielleicht hat sie aber auch einen starken Sinn für Gerechtigkeit und spürt, dass gerade Ethik und KI ein unschlagbares Team sind.

Für junge Frauen ist dieser Artikel eine Einladung:
Geht in die Technik!
Stellt Fragen!
Widersprecht!
Mischt euch ein!
Entwickelt!
Forscht!
Seid laut!

Vielleicht schreiben wir dann in ein paar Jahren neue Namen in die Liste der Frauen, die die Zukunft der KI prägen.

Fazit: KI ist auch eine Geschichte der Frauen

Dieser Artikel zeigt auf:

Technik war nie nur männlich – sie ist divers.
Neugier kennt kein Geschlecht.
Logisches Denken kennt kein Geschlecht.
Kreativität kennt kein Geschlecht.

Die Geschichte der Künstlichen Intelligenz ist auch eine Geschichte der Frauen – und ihre Zukunft erst recht!

Sie wollen mehr über KI und ihre Entwicklung wissen? Abseits vom Mainstream? 
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Außerdem freuen wir uns, wenn Sie sich mit uns in Verbindung setzen oder an einer unserer Veranstaltungen teilnehmen – schauen Sie dazu auch gerne in unsere Termine!

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Eva Jaritz

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